
Titel: Phantasmen
Autor: Kai Mayer
Einband: Taschenbuch
Seitenzahl: 398
Genre: Fantasy
Reihe: Einzelband
Verlag: Carlsen
Preis: 8,99€ (DE)
Muss ich haben? Verlag / Thalia / Amazon
KLAPPENTEXT:
Eines Tages tauchen sie aus dem Nichts auf - die Geister der Toten. Und stündlich werden es mehr. Sie stehen da, bewegungslos, leuchtend, ungefährlich. An der Absturzstelle eines Flugzeugs, mitten in der einzigen Wüste Europas, warten Rain und ihre Schwester Emma auf die Geister ihrer verunglückten Eltern. Auch Tyler, ein schweigsamer Norweger auf einem Motorrad, ist hierhergekommen, um seine große Liebe Flavie noch einmal zu sehen. Dann erscheinen die Geister. Doch diesmal lächeln sie. Und es ist ein böses Lächeln...
MEINE MEINUNG:
"Es ist eine Illusion, dass wir jemals gelebt haben." ~ Wallace Stevens.
Was ist eine Illusion? Was ist überhaupt Leben? Ist es vielleicht doch nur Einbildung? Was macht uns so sicher, dass wir nirgends gefangen sind? Oder vegetieren wir am Schluss nur vor uns hin?
Fragen über Fragen, welche während des Buches immer wieder in den Raum geworfen wurden, doch bevor ich abschweife, meine Meinung zum Buch "Phantasmen":
Rain und Emma sind Schwestern mit einem Schicksal: Ihre Eltern starben bei einem Flugzeugabsturz über der spanischen Wüste und nun begeben sie sich auf die Reise zu eben genau dieser Absturzstelle, doch warum? Geister! Erst erschienen sie langsam und waren ein Phänomen, doch nach einiger Zeit gehörten sie zum Alltag wie Straßenlaternen an jeder Ecke. Es sind 3 Jahre nach Tag 0 vergangen, an dem Tag, an dem der erste Geist erschienen war, doch nach diesen 3 Jahren änderte sich das erste Mal etwas an der Erscheinung, sie waren nicht mehr nur ein Lichtbild der Verstorbenen, sie begannen zu lächeln und zwar ein tödliches Lächeln...
Durch einen rasanten Einstieg begann das Abenteuer ziemlich schnell, dazu kam noch der mysteriöser Norweger Tyler, dessen Gründe zu Beginn genauso ungeklärt waren wie das Lächeln der Geister.
Doch, meine Euphorie wurde relativ schnell gedämpft, so ließ die actionreiche Handlung schnell nach und das Buch lag viel zu schnell wieder auf meinem Nachttisch.
Durch eine Überflutung an Informationen war die Handlung teilweise wie weggewischt, bis jetzt haben sich ein paar Fragen bei mir noch immer nicht geklärt, welche zwar nicht wesentlich zur Handlung beitragen, mich aber trotzdem in der Gesamtbetrachtung des Buches stören.
So zog sich das erste Drittel des Buches ziemlich lange, potenziell-spannende Passagen wurden in diesem Teil oft nur angekratzt, uninteressantere Passagen dagegen wurden -mir persönlich- zu sehr ausformuliert, denn die Innenausstattung eines Hauses interessiert mich nicht mehr als die Verletzung eines Hauptprotagonisten, bis heute weiß ich nämlich nicht, was dem armen Teufel eigentlich genau zugestoßen ist.
Erst als der Informationsfluss etwas -im positiven Sinne- ins Stocken geraten ist und die neuen Beweggründe der Charaktere klarer in Sicht traten, konnte mich das Buch wieder erreichen. Doch auch zu diesem Zeitpunkt konnte mich die Story nicht komplett packen, vorallem mit Rains Leidensgeschichte hatte ich meine persönlichen Schwierigkeiten, natürlich ist es schrecklich was sie erlebt hat, doch ihre Geschichte wirkte zu sehr aus den Ärmeln gezogen. Es hatte den Eindruck als würde ein Zauberlehrling einen Kartentrick versuchen, welcher gründlich in die Hose ging. Ich persönlich fand diesen Vorfall zu realitätsfern, obwohl es in dieser Geschichte um Geister geht, hätte ich mir gerade in dieser Passage vor dem Tag 0 eine etwas "normalere" Geschichte gewünscht.

Kurz vor Schluss hatte die Handlung ihren absoluten Höhepunkt und diese Seiten entpuppten sich als wahre Pageturner, ich wollte und konnte dieses Buch nicht mehr weglegen und hatte Hoffnung auf ein dramatisches Ende, aber ein gewisser Vorfall in New York, welcher eine direkte Verbindung zu Rains Erinnerungen an Afrika hat, war erneut ein Aspekt der mich störte, für mich war es absolut nicht nachvollziehbar wieso der Autor dieses Geschehen noch draufsetzte, alleine die Anwesehnheit der Geister wäre genug gewesen, durch die "Jäger" wurde mein Enthusiasmus erneut zurückgetrieben und die eigentlich spannenden Szenen verloren für mich ihren Reiz.
Zum Schluss hin sparte Kai Meyer drastisch an Informationen. Nur noch ungenau wurde das Ende beschrieben, eigentlich nur angeschnitten. Ich hätte kein Problem damit gehabt 50 Seiten mehr zu lesen um das Geschehen auf der Erde mitzubekommen.
Während des Buches wurde öfters von den Hauptcharakteren weggegangen, um ein allgemeines Bild von dem Geschehen weltweit erlangen zu können und dies fehlte mir am Schluss. Über 350 Seiten fanden innerhalb von -wenn überhaupt- 48 Stunden statt während das Ende einen Zeitraum von mehreren Monaten hatte, zumindest eine genauere definierte Zukunft hätte ich mir für das Ende des Buches gewünscht.
Der Schreibstil war größtenteils flüssig und sehr verständlich, selbst als eine Person lebend in einer -wahrscheinlich- geistfreien Welt, konnte ich mich sehr gut in diese "neue" Art des Lebens hineinfühlen, abgesehen von ein paar inhaltlichen Fragen konnte man dem Geschehen meistens folgen.
MEIN FAZIT:
Leser, welche auf düstere, fast gruselige Geschichten mit sehr viel Drama stehen, werden dieses Buch sicherlich lieben. Doch für Fantasyliebhaber die noch einen kleinen Bezug zur Realität möchten, sei es auch nur in der Vergangenheit, wird es wohl eher wie mir ergehen.
Mit manchen Ereignissen wurde für mich einfach übertrieben und das sonst wirklich positiv zu betrachtende Buch, in der Gesamtbetrachtung verschlechtert.
Deswegen bewerte ich das Buch mit 3,5 von 5 Herbstblättern, da es doch sehr gute Passagen hatte. ♥

Nochmals einen herzlichen Dank an den Carlsen Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.
Quellen: Klappentext und Cover
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